Grüß Gott, du schöner Maie“

Mit einem Mini-Open-Air-Konzert wurde das Frühlingsfest an der Freien Waldorfschule Bexbach vom Schüler-Eltern-Lehrer-Chor eröffnet. Zum Gelingen der Premiere trugen diverse kulinarische und Mitmach-Angebote bei.

Bexbach. Bobo kräht. Der ausgesprochen hübsche Vorwerkhahn, Vertreter einer gefährdeten Nutztierrasse, der den Schülern wochentags unfallfrei die Körner aus der Hand pickt, ist irritiert. Keine 100 Meter entfernt ertönt ein bunter Reigen zur Jahreszeit passender Lieder: „Über meiner Heimat Frühling seh ich Schwäne nordwärts fliegen“ etwa, „Dat du min Leevsten bist“ oder auch „O, hur härligt maj soler“ – eine schwedische Ode an die „schöne Maienzeit“.

Unter Leitung von Katharina Sandner begrüßte der Schüler-Eltern-Lehrer-Chor damit die Gäste des ersten Frühlingsfestes an der Freien Waldorfschule Bexbach. Als der letzte „Kuckuck“-Ruf des gleichnamigen Liedes und der darauf einsetzende Beifall verklungen ist, verlustiert man sich im Gelände. Im Schulgarten, an den das kleine Federvieh-Paradies mit den handzahmen Vorwerk- und Sundheimer Hühnern angrenzt, stehen Kräuter- und Gemüsepflänzchen in Reih und Glied. Großgezogen wurden Kerbel, Batavia & Co. von den Schülern der sechsten bis achten Klassen. „Wir haben einen drei Wochen-Rhythmus“, erzählen Talisa und Lilli, die die Kasse betreuen. In der Gartenbauwoche sind sie an drei Tagen jeweils zwei Stunden im Gewächshaus oder Freiland. „Im Winter werden Kerzen gezogen und Kränze gebunden“, berichten die Schülerinnen. Und ja, es macht Spaß. Worüber die fleißigen Insekten nebenan in den vier Bienenstöcken der Imker-AG wohl kaum nachdenken. Hier herrscht heute reges Treiben.

Genau wie am steinernen Ofen, in dem nonstop Pizzas gebacken werden. Wer sich nicht in die Schlange der Wartenden einreihen will, holt sich einen Teller Kartoffelcremesuppe oder etwas vom kalten Buffet. Siebtklässler mixen frische Smoothies und bieten selbstgebackene Schokokekse an, alles aus fair gehandelten Zutaten: „Wir wollen Fair Trade Klasse werden“, erzählt Max, der Standdienst hat. „Es ist kaum jemandem klar, dass Kakaobauernfamilien oft in großer Armut leben“, nennt Klassenlehrerin Gabriele de Cuveland ein Beispiel für den allgemeinen Aufklärungsbedarf. Gerade in Westafrika ist Kinderarbeit auf den Plantagen weit verbreitet. Das zu thematisieren und ein Stück weit zu helfen, ist Anliegen ihrer Schüler.

Die „Kollegen“ eine Klassenstufe höher bieten Flohmarktartikel an – um den Theaterregisseur für ihr Klassenspiel „Oliver Twist“ mit zu finanzieren. „Wir verkaufen auch jeden Tag Kuchen in der Pause und starten noch eine Sockenaktion“, verraten Amelie und Birka. Ihre Mitschülerinnen schminken derweil kunstvoll Kindergesichter. Am Tisch vor der Töpferei können massive Holzbrettchen mit dem Lötkolben in individuelle Muttertagsgeschenke verwandelt werden. Bereits fix und fertig sind dagegen die kunstvollen Filzfiguren für den Jahreszeitentisch, die man am Stand der Kindergarteneltern erwerben kann. Lina Dörr ist eine der Künstlerinnen, die aus gefärbter Schafswolle zarte Püppchen mit winzig kleinen Erdbeeren und Blüten gefilzt hat. „Man benötigt dazu nur eine Filznadel“, erklärt die vierfache Mutter. „Und viel Geduld.“