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UNESCO-Auszeichnung für die Bexbacher Waldorfschule

Neues Leben für trübe Gewässer...

Keine Scheu, sich schmutzig zu machen, zeigen die Schüler der Freien Waldorfschule Saar-Pfalz in Bexbach. Denn, wer die Wälder und Flüsse erhalten will, muss selbst kräftig mit anpacken. Für ihre Forstpraktika und Renaturierungsprojekte sowie dafür, dass sie mit gutem Beispiel vorangeht, wurde die Bexbacher Schule nun von der Unesco ausgezeichnet.

Bexbach. Umweltschutz bedeutet nicht, die Natur sich selbst zu überlassen. Wer aktiv etwas für den Erhalt der Wälder und Flüsse unternehmen möchte, muss die Ärmel hochkrempeln und anpacken. Viel zu tun gibt es allemal und das vor der eigenen Haustür.

Als Unesco-Projektschule, die dem Grundsatz "global denken - lokal handeln" verpflichtet ist, hat sich die Waldorfschule in Bexbach der Herausforderung gestellt, in ihrem Umfeld die Umweltsünden der jüngsten Vergangenheit zu beheben oder mindestens zu lindern. 92 Schüler haben in wochenlangem Kraftaufwand Weiher gesäubert, Quellen von Schlamm und Ästen befreit, Ufer bepflanzt, Bäche in ihren natürlichen Lauf zurückgeleitet und Bäume gefällt.


Die Waldorfschule in Bexbach gehört zu den fünf Gewinnern des bundesweiten Unesco-Wettbewerbs zum Thema Nachhaltigkeit.


Belohnt wurde ihr außergewöhnliches Engagement nun mit dem 1000 Euro dotierten Preis "Good practice" der Unesco-Kommission und der deutschen Wirtschaft, der schulische Projekte auszeichnet, die sich in besonderem Maße am Gedanken der Nachhaltigkeit ausrichten und mit lokalen Akteuren kooperieren. "Ich habe gelernt, den Wald mit anderen Augen zu sehen", fasst der Elftklässler Mirko Brengel seine Erfahrungen zusammen. Und gerade das öchte die Waldorfschule mit ihren Forstpraktika erreichen.

So hatten sich die älteren Schüler im Frühjahr vergangenen Jahres vorgenommen, den völlig verkommenen Erlenbrunnen in Neunkirchen zu sanieren und zu einem Erholungsgebiet aufzupolieren. Unter Anleitung des Revierförsters Winfried Lappel entfernten sie das Mauerwerk der alten Kneipp-Anlage und schaufelten Schlamm aus den Quelltümpeln. Anschließend wurde das Rinnsal mit Buntsandsteinen neu gefasst. "Wir haben die Sache einfach in Angriff genommen, wie der Erlenbrunnen letztlich aussehen würde, war uns nicht klar", so der Kunstlehrer Joachim Karsten. Das Resultat könne sich sehen lassen.

Viele Einheimische, die die Anlage von früher kannten, seien ganz erstaunt gewesen, was die Waldorfschüler daraus gemacht hätten. Karsten: "Man trifft auch wieder vermehrt auf Spaziergänger dort." Doch mit der optischen Verbesserung sei es noch nicht getan, ergänzt Förster Lappel: "Langfristiges Ziel ist es, die trockengelegten Flächen wieder in Feuchtbiotope umzuwandeln, um neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu schaffen."

Eine kleine Überraschung erlebten die Schüler bei der Arbeit am Erlenbrunnen: Aus der alten Ziegelmauer entsprang plötzlich eine zweite Quelle, die nun seitlich in den Weiher läuft. Dies seien die Momente, in denen das gute Gefühl aufkomme, gemeinsam etwas erreicht zu haben. Karsten: "Das ist die Belohnung dafür, dass der ein oder andere schon mal in die Pfütze fällt und sich schmutzig macht." Ein Betätigungsfeld für alle Altersklassen befindet sich neben dem Schulgelände, im Bauernwald. Die Stadt würde nicht über die finanziellen Mittel verfügen, eine ausreichende Waldpflege zu betreiben und gleichzeitig den Freizeitwert des Gebietes zu verbessern, sagt Karsten. Die naturverbundenen Jungen und Mädchen haben daher Verantwortung für "ihren" Wald übernommen. Mit Freunden spielen, die Natur erleben und an der frischen Luft sein, das wollen sie dort einmal. "Meine Familie wohnt zu weit entfernt, damit ich einfach so dort eine Hütte bauen könnte", berichtet der elfjährige Maximilian Schmitt. Doch auch hier gibt es vorerst viel zu tun.

"Jede einzelne Anstrengung ist ein Stein in einem großen Mosaik, das nie wirklich fertig wird", sagt Karsten. Die Kleineren haben Müll eingesammelt, Mulmhaufen für Kleintiere angelegt und einfache Sägearbeiten verrichtet. Für Aline Bansky, elf, war es ein besonderes Erlebnis frischen Birkensaft zu trinken. Außerdem habe sie "kleine Bäume gefällt, um größeren Platz zu machen". Überall dort, wo die Winterstürme vor 15 Jahren große Schäden angerichtet hatten, wuchert jetzt wildes Dickicht. Lappel: "Dort ist kein Durchkommen mehr, fast wie im Dschungel." Daneben wurde der Gänseweiher gesäubert, der durch faules Laub "umgekippt" war. Seitdem die Siebtklässler dort aufgeräumt haben und 15 Schubkarren übel riechende Holz- und Pflanzenreste abtransportiert haben, gedeihen wieder Wasserpflanzen, der Teich kann endlich wieder atmen.

Mit der Wasserqualität haben sich auch die Teilnehmer des Projektes Fließgewässer befasst. An verschiedenen Stellen haben Schüler der Oberstufe Wasserproben gesammelt, auf Nitrat- und Ammoniumgehalt untersucht. Ergänzt wurden die Messungen durch einen Besuch der Kläranlage in Wellesweiler. Mit dem Preisgeld will die Waldorfschule die prämierten Projekte weiterführen.

Hintergrund

Die Unesco-Projektschulen bilden ein weltweites Netz von Bildungseinrichtungen, die sich an den Ideen der internationalen Verständigung und des interkulturellen Lernens orientieren. Insgesamt gibt es 3000 Projektschulen, fünf davon im Saarland. Bisher gehören bundesweit zwei Waldorfschulen zum Netzwerk.

von SZ-Redaktionsmitglied Martine Hemmer

Saarbrücker Zeitung



Aus dem Brief des Generalsekretärs der Deutschen UNESCO-Kommission, mit dem am 20.01.2005 der Preis angekündigt wurde:



Liebes Schulteam,

in meiner Funktion als Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission und im Namen des Bundeskoordinators der UNESCO-Projektschulen in Deutschland gratulieren wir Ihnen ganz herzlich zum Preisgewinn in Höhe von 1.000 Euro im Rahmen unseres Schulwettbewerbs "good practice". Ihre Schulinitiative für Umweltschutz und Landschaftspflege "Wald - Wasser - Feuer" hat uns außerordentlich gut gefallen. Wir hoffen, dass Sie auch weiterhin an Ihrer Schule solch beispielhafte Nachhaltigkeitsprojekte durchführen.

Ihnen, dem Schulteam und den Projektpartnern wünschen wir gutes Gelingen bei allen weiteren Projekten!

Mit besten Grüßen

Dr. Roland Bernecker
(Generalsekretär)




Weitere Artikel zu den Waldprojekten finden Sie

hier.



Eine kurze Beschreibung des Projekts „Untersuchung von Fließgewässern“ finden Sie in der

Projektwochenzeitung der UNESCO-Projektwoche 2004.


Auszüge aus einer Mappe zu dem Projekt
„Wald, Wasser und Feuer“

































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