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Nachrichten und Presse
Den Wind im Rücken
Nicolai Fischer - Schüler der Bexbacher Waldorfschule - hat ein ungewöhnliches Hobby: Der 18-Jährige segelt - leidenschaftlich und erfolgreich, obwohl Ausrüstung, Training und Wettbewerbe viel Zeit und Geld kosten. Sein Traum: 2012 bei den olympischen Regatten segeln.
Bexbach. "An einigen Montagen", erzählt Nicolai Fischer, "bin ich um kurz vor sieben mit dem Auto heimgekommen und dann um acht ohne Schlaf in die Schule." Der 18-Jährige hat nicht etwa die ganze Nacht durchgefeiert, sondern er ist durchgefahren, auf der Rückfahrt von einer der vielen Segel-Regatten, bei denen er um Platzierungen kämpft.
| | | Am wohlsten fühlt er sich auf dem Wasser: Nicolai Fischer ist leidenschaftlicher Segler. |
In der Saison, von März bis November, findet an jedem Wochenende ein anderes Rennen statt, in allen Teilen Europas. Und auch unter der Woche lässt das Segeln neben der Schule kaum Zeit für anderes: "Unter der Woche bin ich mindestens drei Mal auf dem Wasser, hinzu kommen noch Kraft- und Konditionstraining." Zwar gibt es noch einen Theorieteil, doch das meiste lerne man während des Segelns selbst. Man entwickle beispielsweise "ein Gefühl für den Wind, wo er dreht, wo er stärker oder schwächer ist, dementsprechend wählt man dann den Kurs zur Tonne." Besagte Tonnen sind die Marken, die die Teilnehmer der Rennen umrunden müssen, sich dabei harte Wendeduelle liefern.
Bis vor ein paar Jahren war Basketball sein liebstes Hobby, "ziemlich erfolgreich" habe er diesen Sport betrieben, bis beide Sprunggelenke in den Knien ihren Dienst versagten. Bei einem Spaziergang am See kam ihm beim Anblick von Seglern die aus dem Trübsinn herausstechende Idee: Segeln! Gegen die Argumente, dass dieser Sport "viel zu teuer" sei, setzte er sich durch, kam bei einer Regatta in Frankreich mit "dem ältesten Vereinsboot und vier Mal Üben auf dem Wasser" auf den sechsten Platz - von Kennern damals als ein "Wunder" bezeichnet, wie er sich grinsend erinnert. "Ich bin halt sehr ehrgeizig und habe mich hochgekämpft."
Neben der körperlichen Fitness werden die Bewegungsabläufe im Training immer wieder geprobt, etwa bei Trainingslagern in Kroatien oder auf dem Bostalsee. Im Winter helfen gegen die Kälte manchmal die besten Neoprenanzüge nichts: "Bei einem Holland-Trainingslager war es so kalt, dass das Wasser zum Teil zugefroren war. Das Training kostete ziemliche Überwindung." Nach acht Stunden auf dem Wasser - ein Wettbewerb ist in mehrere Rennen unterteilt, mit einer halben Stunde Pause dazwischen - sind die Kräfte aufgebraucht. "Beim Rennen ist das richtige Einteilen der Kräfte wichtig: Man darf sich nicht überanstrengen, muss aber auch ein Auskühlen verhindern", erklärt Nicolai.
Manchmal reicht es aber doch noch zu einer kleinen Feier unter Segelkollegen. In dieser Gemeinschaft fühlt sich der Bexbacher richtig wohl, es sei "anders, besser als beim Basketball, wo die Teams untereinander verfeindet sind." Zwar gilt es beim Segeln auch, taktische Fähigkeiten, wie etwa das Abdecken der anderen vom Wind, auszuspielen, aber hinterher schließt man den Wettkampftag gemeinsam ab. Im Jugendbereich sind die Geschlechter nicht getrennt, später schon. "In der 420er-Klasse gewinnen bei gemischten Rennen und wenig Wind oft die Frauen, da dann nicht viel Kraft, sondern gutes Erkennen des Windes gefragt ist. Die Männer konzentrieren sich oft auf die Kraft, wegen Olympia."
Auf Olympia 2012 trainiert auch Nicolai hin, es ist sein "großer Traum, daran teilzunehmen, auch wenn das noch sehr fern ist." Vor Kurzem ist er von der 420er-Klasse auf die olympische Klasse der "Laser" umgestiegen, ein Boot, das viel Segelfläche bietet und daher viel Kraft erfordert, als Schwierigstes gilt. "Für die 420er sind leichte Teams auch geeignet, aber bei meiner jetzigen Klasse muss ich noch ein paar Muskeln zulegen."
Nicolai besitzt ein eigenes Boot, mit Zubehör wie etwa einem Anhänger - ein teures Vergnügen. "Viele Segler, auch in meinem Alter, haben Sponsoren. Der Zusammenhalt unter uns ist auch so, dass von denen dann vermehrt gekauft wird." Er sei derzeit auf der Suche nach Unterstützern. Die größten dieser Art sind seine Eltern: deren Hilfe sei "einfach irre". Der Vater habe ihn, als er noch keinen Führerschein besaß, in ganz Europa rumgefahren an fast jedem Wochenende. Gelohnt hat es sich: Neben dem Titel des Saarpfalz-Meisters 2003/04 gewann er den Ferkel- und Riedseecup, sowie den Schröckerpokal. Wegen einer nicht zu verlegenden Prüfung seiner damaligen Segelpartnerin in der 420er-Klasse mussten sie die Qualifikation für die Endausscheidung zur WM und EM, bei der nur die 40 besten deutschen Boote einer Klasse teilnehmen dürfen, absagen. Auf einer Rangliste werden die 400 Besten geführt. Ende 2004 war Nicolai auf dem 44. Platz.
Zur Person
Nicolai Fischer aus Bexbach hat bereits einige Pokale errungen, unter anderem den Ferkel- und Riedseepokal sowie den Schröckerpokal. Der 18-Jährige war 2003/2004 Saarpfalz-Meister.
Kontakt: Telefon 06826-91243 nico420@web.de
Von SZ-Mitarbeiterin Kathrin Koböck
Quelle:
Saarbrücker Zeitung
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