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Nachrichten und Presse
Zum Auftakt des Schul-Jubiläums boten die Schüler der Waldorfschule
Großes Theater glänzend gespielt. So könnte man als Fazit unter die beiden Aufführungen der 12. Klasse der Waldorfschule schreiben. Mit Maxim Gorkis "Nachtasyl" eröffneten die Schülerinnen und Schüler gleichzeitig den Reigen von Veranstaltungen zum 30-jährigen Schuljubiläum.
Mit seinem ausdrucksstarken und emotionalen Spiel entführte das Ensemble die Zuschauer in das vorrevolutionäre Russland. Mit "Nachtasyl" lenkte erstmals ein Theaterautor den Blick von Themen des Bürgertums hinab in die Lebenswelt des "Barfüßertums" an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod. Gorki warf mit seinem bis heute viel umjubelten Stück die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit auf, die für ihn mit dem Respekt des Einzelnen in seiner jeweiligen Realität beginnt. Danach ist soziale Gerechtigkeit im Grunde machbar und keine Illusion.
Vielleicht erklärt sich daraus auch der Erfolg des Stückes, bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Alleine in Berlin wurde "Nachtasyl" zwischen 1903 und 1904 500 Mal aufgeführt. Der Autor wurde schlagartig berühmt, die russische Stadt Nowgorod wurde sogar nach ihm benannt.
In dem naturalistischen Ideendrama "Nachtasyl" lässt Maxim Gorki ein Dutzend gescheiterter Existenzen auftreten, mittellose Asoziale, die sich nach einem besseren Leben sehnen, aber zu schwach sind, um sich gegen die menschenunwürdigen Verhältnisse aufzulehnen. Der "Pilger" Luka, der vorübergehend mit den anderen im Keller haust, verbreitet Hoffnung, aber sobald er wieder gegangen ist, scheitern die Zurückgebliebenen mit ihren guten Vorsätzen.
Der Zuschauer sieht sich den untersten Schichten der Gesellschaft gegenüber. In dem vom Ehepaar Kostylew betriebenen Elendsquartier "Nachtasyl" nehmen Diebe, Mörder, Trinker, Prostituierte oder Landstreicher ihren Platz als Helden des Stückes, ja als Verkörperung des eigentlichen menschlichen Lebens ein. Die Tage im Nachtasyl sind von Kleinkrieg, Zermürbung und Demütigung gezeichnet und trotzdem bewahrt jeder Asylbewohner in diesem aussichtslosen und erniedrigenden Alltag "in der Tiefe" seine unverwechselbare Persönlichkeit:
Da ist der namenlose, dem Alkohol verfallene Schauspieler, der Baron, der sein Erbe durchgebracht und Staatsgelder unterschlagen hat, der Schlosser Kleschtsch mit seiner Frau Anna, die eines qualvollen Todes sterben muss, der Mützenmacher Bubnow, der ehemalige Dieb Waska Pepel, der ein Verhältnis mit Wassilissa, der Frau des Herbergsvaters, hat - in Wirklichkeit jedoch ihre Schwester Natascha liebt, zudem der philosophische Falschspieler Satin, der betrunkene Schuster Aljoschka, der Polizist Medwedew, der Tatar, Schiefkopf... Alle Gescheiterten klammern sich mit dem Rest ihres verbliebenen Lebenswillens an die geringe Hoffnung auf ein Entrinnen aus dem erniedrigenden Asyldasein in ein besseres Leben und jeder der Asylbewohner zeigt diese Hoffnung auf eine andere Art und Weise.
Die Prostituierte Nastja flüchtet sich in die Traumwelt einer romantischen Liebe, Kleschtsch träumt von einem ehrlichen, geordneten Arbeiterleben. In das Leben dieser Gesellschaft tritt nun der Pilger Luka. ein. Mit seinem positiven, harmonischen, aber unwirklichen Weltbild nährt er die Hoffnungen der Asylbewohner. Er gibt ihnen den Glauben an ihre Träume und auch wenn es nur Lebenslügen sind, er respektiert und ermutigt sie. Der todkranken sterbenden Anna gibt Luka den Glauben an ein besseres Jenseits, dem alkoholabhängigen Schauspieler setzt er den Gedanken auf eine Entziehungskur, einer "Heilanstalt für Trinker" in den Kopf, dem jungen Pepel macht er Hoffnung auf ein neues Leben mit Natascha in Sibirien.
Wolfgang Kappler
Quelle:
Höcherberg Nachrichten
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