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Nachrichten und Presse
Präsentation der Jahresarbeiten in der Waldorfschule
Vor zwölf Jahren noch standen und saßen sie mit großen und vor Erwartung weit aufgerissenen Augen auf der Bühne im Festsaal der Freien Waldorfschule.
Die Nerven waren angespannt und bei dem ein oder anderen hatte sich vielleicht auch Furcht vor dem Neuen im Bauch ausgebreitet. Damals waren sie von ihren Patenschülern geführt durch den Blumenbogen geschritten und waren so symbolisch in die Schulgemeinschaft aufgenommen worden. Was diese ihnen im Laufe von einem Dutzend Jahren mit auf den Weg gegeben hatte, durften die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse nun von gleicher Bühne aus kundtun. Im Rahmen ihrer Jahresarbeit - der eigentliche Kern des Waldorfschulabschlusses - hatten sie Gelegenheit, sämtliche an der Schule erworbenen Fähigkeiten auf ein selbst gewähltes Thema zu konzentrieren, für dessen Bearbeitung sie ein Jahr Zeit hatten. Im Unterschied zu anderen schulischen Prüfungen zählt hierbei nicht der Nachweis konsequent auswendig gelernten Wissens oder das Abfragen bestimmter Kenntnisse und Fähigkeiten. Vielmehr handelt es sich bei den Jahresarbeiten um einen Prozess, der die individuellen Neigungen und Fähigkeiten berücksichtigend, Anforderungen an die gesamte Persönlichkeit stellt. Streng genommen handelt es sich letztlich nicht um eine Wissensprüfung, sondern um eine soziale Reifeprüfung. Zur sozialen Reife dazu gehörend: Mut, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Selbstmotivation, Leidenschaft, Interesse, Durchhaltevermögen, Kreativität, Zeitmanagement, Planung, Ausdauer, Zielsetzung, Überzeugungskraft, Selbstdarstellung, und vieles mehr. Das alles ist neben dem regulären Unterricht zu entwickeln, zu schärfen und zu bewältigen. Eigenständiges Arbeiten ist dabei die eine Fähigkeit, die die Schülerinnen und Schüler schon in früheren Klassen erlernt haben. Nun galt es zu zeigen, dass diese Fähigkeiten auch zielorientiert auf eine zeitlich und thematisch eingegrenzte Aufgabe fokussiert werden können. Die 28 Schülerinnen und Schüler schafften das souverän und präsentierten stolz ihre Resultate an zwei Tagen. So unverkennbar und einzigartig jeder Mensch ist, so individuell waren letztlich auch die Jahresarbeiten. Mal stand ein Kunstthema im Mittelpunkt, mal war es die Naturwissenschaft, mal Politik, mal die Natur. Jede Jahresarbeit setzt sich zusammen aus einer schriftlichen Zusammenfassung des bearbeiteten Themas, seiner mündlichen Darstellung in Form eines Kurzvortrages und einer optischen Präsentation im Rahmen einer Ausstellung. Diese fesselte die Aufmerksamkeit der Besucher und führte hinein in die Praxis der Parfumherstellung, in die Geheimnisse der Börse und in das Innenleben von Motorradmotoren. Sie machte vertraut mit dem Forschungsbereich der Bionik, die Bewährtes aus der Natur in technische Anwendungen übernimmt, sie führte hinein ins Unbewusste, erklärte Ursachen von Schlafstörungen und wie man diesen mit einem selbst gezimmerten Bett begegnet und bot Einblicke in die Entstehung von Krebsleiden. Von der Vergangenheit bis in die Zukunft bot die Präsentation der Jahresarbeiten punktuelle Ein- und Ausblicke in eine Vielzahl von Wissens- und Kreativbereichen. Von den 28 Schülerinnen und Schülern werden 17 der Schule erhalten bleiben. Ihr erklärtes Ziel: Abi bauen.
Quelle:
Höcherberg Nachrichten (1. Februar 2007) Rosemarie Kappler
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