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Zum Fremdsprachenunterricht an der Waldorfschule in der Unterstufe 1.- 4. Schuljahr
Das kleine Kind lernt sprechen aus seiner Umgebung heraus, es ahmt nach, was ihm an Sprache entgegen klingt und ergreift sie mit seinem Gefühl. Dieses Prinzip des fühlenden Er- und Begreifens von Sprache macht sich die Waldorfpädagogik zunutze, indem sie bereits in der ersten Klasse die 6-7jährigen an zwei Fremdsprachen heranführt: Englisch und Französisch.
Gerade in der ersten Klasse sind die Kinder noch offen für alles Neue. Freudig ahmen sie nach, was ihnen vorgesprochen wird und wiederholen im Vertrauen auf den Lehrer ganze Sätze. Statt einzelne Wörter herauszupicken, die sie nicht verstehen, lassen sich die Jungen und Mädchen von Klang und Schönheit der fremden Sprache mitreißen.
Der Fremdsprachenunterricht der Waldorfschule nutzt die Offenheit der Kinder, sich staunend auf andere Sprachen und Kulturen einzulassen und einen kleinen Blick auf die große, weite Welt zu werfen, in der es noch so viel zu entdecken gibt. Wer Menschen in anderen Ländern kennen lernen will, muss auch deren Sprache verstehen.
Die Kinder sprechen kleine Reime, singen Lieder im Chor und tauchen dabei wie selbstverständlich in den Sprachenstrom ein, ohne Wort für Wort zu verstehen. Der Sinn der Sätze erschließt sich durch die Gestik und Mimik des Lehrers, durch das Miterleben im Spiel und durch das gemeinsame Tun.
“Raise your hands above your head, clap them one two three, rest them now upon your hips, slowly bend your knees. Up again and stand erect, put your right foot out; shake your fingers, nod your head, and twist yourself about.”
Hinzeigen, vormachen, unmittelbar an Gegenstände anknüpfen, sorgfältig vorsprechen, danach im Chor und schließlich einzeln sprechen und nachahmen lassen – dies sind die Grundmuster einer Unterrichtsstunde in der 1. bis zur 3. Klasse. Dabei bildet die Wiederholung ein wesentliches Element, damit die Kinder sich in die Fremdsprache einleben können. Schon im ersten Schuljahr lernen die Kinder ihren Körper zu benennen, sie lernen die Farben, die Zahlen, ihre Kleidungsstücke und alles, was sich im Klassenraum befindet. Es ist wunderbar mitzuerleben, wie sich in dieser Zeit ein reicher Wortschatz bildet. Indem die Kinder früh Fremdsprachen üben, erweitern und bereichern sie ihr Denken und Empfinden; je mehr Sprachen, desto reicher die Seele.
Nach dem 9. Lebensjahr nehmen die Nachahmungskräfte der Kinder ab. Jetzt beginnen die Schülerinnen und Schüler, die Sprache mit dem Verstand zu erfassen; sie können Fremdsprache nicht mehr mit der Unmittelbarkeit aufnehmen, die ihnen bis zur dritten Klasse möglich war.
So tritt gegen Ende der dritten Klasse an die Stelle der Nachahmungsmethode die Lernmethode der Mittelstufe. Das unbewusste, fühlende Aufnehmen der Sprache geht jetzt in ein bewusstes Erlernen über. Nun ist die Zeit gekommen, mit dem Lesen- und Schreibenlernen der Fremdsprache zu beginnen und die ersten Schritte in die Grammatik zu wagen.
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