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Das Theaterspiel Heranwachsende junge Menschen erleben sich gebunden an ihre Bewegungsgewohnheiten, an ihr Temperament und an ihre Gefühle. Sie empfinden sich vielfach gehemmt und unfrei.
Im Theaterspiel haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich von allen Hemmungen und Beschränkungen zu befreien: Hier dürfen sie anders sein, einen fremden Charakter darstellen. An den verschiedenen Charakteren eines Theaterstückes erleben sie eine Fülle und Vielfalt menschlichen Lebens, die ihnen im Alltag so nicht begegnen. Die Heranwachsenden entwickeln Verständnis für menschliche Schicksale. In einem Altern, in dem die Fähigkeit zu Eigenwahrnehmung und Selbstkritik noch nicht ausgebildet ist, setzt ein Reifeprozess ein. Die Jugendlichen lernen an den Theaterrollen auch sich selbst besser kennen.
Für Heranwachsende ist es schwer, sich in ungewohnter Weise zu bewegen und zu sprechen – eben in einen anderen hineinzuschlüpfen, der möglicherweise reifer und erfahrener ist als sie selbst. Schwer fällt es ihnen auch, mit der Sprache so aus sich herauszutreten, dass sie noch in der letzten Zuschauerreihe verstanden werden. Wenn sie sich aber überwunden haben, wenn sie es geschafft haben und die Aufführung gelungen ist, dann wächst neben dem Verständnis für andere Menschen auch das Selbstbewusstsein der jungen Schauspieler.
Sprache und Sprechen Sprache ist die wichtigste Brücke von Mensch zu Mensch, vom Menschen zur Welt. Sie ist keineswegs nur Kommunikationsmittel: Sie ist Ausdruck unserer Kultur. Wo die Sprache verarmt, verarmt auch das Denken. Deshalb haben Sprache und Sprechen an der Waldorfschule einen hohen Stellenwert. Worte sind mehr als Chiffren für Bedeutung. In ihrem Klang, in den Lauten schwingt vieles mit, das über die reine Bedeutung hinausgeht.
In vielen Kindern ist der Sinn für die Ausdruckskraft der Laute verschüttet. Waldorflehrer bemühen sich, diesen Sinn durch Lautspielereien zu wecken, in denen die Klangfarben der Laute leben.
Immer mehr Kinder kommen mit Sprachstörungen in die Schule. Schönes und richtiges Sprechen ist jedoch von entscheidender Bedeutung für die geistige und seelische Entwicklung heranwachsender Menschen.
Schon in der ersten Klasse üben Waldorflehrer mit den Kindern an Zungenbrechern und an Versen eine deutliche Aussprache. Die Kinder rezitieren gemeinsam oder einzeln Gedichte und Sprüche und erleben dabei Sprachrhythmus und Sprachmelodie. Sie entwickeln ein Gefühl für die Schönheit der Sprache.
In der Mittelstufe machen sich die Schüler verstärkt mit den Sprachgesetzen vertraut, mit Satzbau und Stil. In diesen erleben die Heranwachsenden die Sprachkraft, die es ihnen ermöglicht, ihre eigene Innenwelt zum Ausdruck zu bringen. In der Oberstufe üben die Schüler vor allem den Umgang mit künstlerisch gestalteter Sprache. An lyrischen, epischen und dramatischen Texten lernen sie die Vielfalt individueller Ausdruckmöglichkeiten kennen. Sie erüben auch die deutlich verschiedenen Sprechweisen, die diesen literarischen Formen angemessen sind. Ihre Fähigkeit zu differenziertem Umgang mit der Sprache wächst.
Die ganze Schulzeit hindurch üben die Schüler ihrem Alter entsprechend in Nacherzählungen, Aufsätzen, Zusammenfassungen von Unterrichtsinhalten, Referaten und Textinterpretationen ihre schriftliche Ausdrucksfähigkeit und die sachlich inhaltliche Behandlung selbst gewählter und vorgegebener Themen.
Die soziale Fähigkeit des Interesses an anderen Menschen kann sich nur entwickeln, wenn die Kinder und Jugendlichen lernen, sowohl die Gedanken, als auch die mitschwingenden Gefühle und Willensäußerungen anderer Menschen aufmerksam wahrzunehmen. Aus diesem Grund wird an der Waldorfschule die Kunst des Zuhörens ganz besonders gepflegt. Die Lehrer hören den Kindern aufmerksam zu und lehren sie durch ihr Vorbild, genau hinzuhören, wenn andere sprechen.
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