Bundeselternratstagung 2019 in Bexbach

Waldorf vom Feinsten   

 

Bericht zu den zwei BERT-Abendveranstaltungen

 

„Das hab ich dir gleich gesagt: Hör uff mit dem Verein.“ Was für ein Willkommen! In breitestem Platt dargeboten, geriet die Begrüßung der BERT-Teilnehmer und Gäste am Freitagabend herrlich selbstironisch. Klischees rund um die 4 Waldorf-Bs („Backen, Basteln, Bauen, Blechen“) lustvoll bedienend, tratschten zwei Bedschbacher Putzfrauen, was das Zeug hielt - die eine, familiär vorbelastet, als Insiderin, die andere unbedarft schwankend zwischen Staunen und Verdammen. Dem von  Katja Anken und Anne Deutsch als Hilde und Roswitha gespielten Duo ist auch eine erfrischende Neuinterpretation des Kürzels BERT zu verdanken: B esonderes E rlebnis für R isikofreudige Teilnehmer. Was erneut für große Heiterkeit im Publikum sorgte.

Fast nahtlos an in der Tonart schloss sich das Grußwort von Landrat Theophil Gallo, der sich als launiger Lokalpatriot und Waldorfschule Bexbaxch-Fan outete. Einblicke in die bewegten Anfangsjahre der Schule gewährte Gründungsmitglied Christian Schwarz, bevor endlich der  mit Spannung erwartete „VIP“ der Tagung, Kinderärztin Dr. Michaela Glöckler, zu Wort kam. Der fundamentalen Frage „Was heißt es eigentlich, Mensch zu sein“ näherte sich die bekannte Buchautorin von zwei Seiten. So stellte sie der Gottesebenbildlichkeit des Menschen den Sündenfall bzw. die Schuldfähigkeit gegenüber. „Beides braucht es“, betonte die ehemalige Leiterin der medizinischen Sektion am Goetheanum. Eine tiefe Sehnsucht ist dem Menschen eigen, dass es sich zeigen möge, „was an mir ist sehr gut (in Bezug auf Genesis 1.31), wo greif ich die Gottebenbildlichkeit“. Das, so Glöckler, „finden wir in unseren Idealen“, sprich Freiheit, Wahrheit und Liebe. „Wegen der Wahrheit oder Liebe hätte es keinen Sündenfall gebraucht, aber wegen der Freiheit … Gott wollte Wesen schaffen, von denen er etwas neues lernen kann.“

Die luftig-lockere Moderation dieses und des anderntags folgenden Events lag in den Händen von Heiko Latz, gut zu erkennen am Orga-Team-Sonnenhut, den er am Samstag auch seinem Co-Moderator Michael Bernhardt angedeihen ließ. War dem ersten Abend mit seinen diversen Grußworten und Reden noch eine gesetztere Note eigen, erwies sich Abend Nummer zwei als ein wahres Fest. So lebendig und bunt wie diese mit „Region in Aktion“ überschriebene „Schulfeier aus der Großregion“ wünscht man sich jede Monatsfeier – und so gut besucht im Übrigen auch, der Saal drohte fast zu bersten. 

Ähnliches galt für das Oberstufen-Orchester aus Saarbrücken-Altenkessel. In großer symphonischer Besetzung, die die Bühne fast restlos ausfüllte, erweckten die jugendlichen  Musiker Smetanas Moldau zum Leben. Mindestens genauso fulminant geriet die Aufführung des hiesigen Eltern-Lehrer-Schüler-Chores, der Bernstein interpretierte. Als Solist sang sich Viertklässler Till Ruffing in alle Herzen. Natürlich kam auch die Eurythmie zu ihrem Recht. Etwa beim Planetentanz der fünften Klasse oder als Illustration der Collage „13 Jahre Waldorfschule“, einem  Gastbeitrag der FWS Frankenthal. Darin berichtete Andreas Mansmann mit seinen Töchtern Clara und Hanna augenzwinkernd vom alltäglichen Wahnsinn zwischen Elternabend und Basar, der für Quereinsteiger besonders gewöhnungsbedürftig ist.

Die größte Überraschung dürfte indes die Voltigier-Darbietung bereit gehalten haben. Unter Leitung von Janina Hempfling adelten die jungen Athletinnen zusammen mit ihren Eltern die oft belächelte Sportart, in dem sie auf dem Holzpferd mit großer akrobatischer Kunstfertigkeit ausdrucksstark und elegant ein Märchen erzählten. Wertungsrichter hätten dafür gar nichts anderes als die volle Punktzahl geben können.

Zu vorgerückter Stunde – vom Zeitplan hatte man sich irgendwann mittendrin verabschiedet – wurden schließlich noch zwei Beiträge aus den  BERT-Kursen Theater und Eurythmie gezeigt: Mutig führten zwei Teilnehmerinnen eine Szene aus „Der Widerspenstigen Zähmung“ auf. Trotz der kurzen Probenzeit wussten sie mit ihrer Leistung zu begeistern. Was ebenso auf die Tänzer um Enzo Ziegler und ihren rhythmisch eingängigen Rundtanz zutraf. Nach mehr als drei Stunden klang der Abend damit stimmig aus.

Alles in allem ist für den Saar-Lor-Lux Raum wohl kaum eine schönere Visitenkarte im Waldorf 100-Jubiläumsjahr denkbar. Auf den Punkt brachte das Heiko Latz, dessen Fazit dieser überregionalen Monatsfeier lautete: „Damit könnte man ohne weiteres auf Tournee gehen.“ Recht hat er.