Der Gänseweiher darf nicht verlanden!

Unsere fünfte Klasse besucht den Gänseweiher im nahen Bauernwald seit Jahren immer wieder gern. Auch wenn das dahinterliegende zauberhafte Waldstück inzwischen mehr lockt mit seinen Möglichkeiten, „Lager“ zu bauen, haben wir den Weiher über das ganze Jahr im Auge. Und beim letzten Besuch fiel uns auf, dass im Uferbereich auf breiter Front nur noch Schlamm zu sehen war. Der altbekannte Wasserspiegel war erschreckend stark abgesunken. Eigentlich kein Wunder nach einem so langen, heißen Sommer, denn wenn kaum Regen fällt, fehlt der einzige Wasserlieferant für den Weiher. 

Dazu kam die Beobachtung, dass der natürliche Bestand an Schwimmpflanzen und Ufergräsern in den Sommermonaten sich sehr stark vermehrt hatte. Die Wasseroberfläche zeigte sich gar
nicht mehr, sie war komplett von Krebsscheren zugewuchert! Das war für unsere Kinder ein ziemlich frustrierendes Bild. Wir kannten das Wasser als silbrige Fläche im Sommer oder als
glitzernden Kristall, wenn er vereist dalag. Und nun war der Weiher auf dem besten Weg, zu verlanden! So kam es wie gerufen, als über Frau Karsten die Frage an uns herantrat, ob wir die „Teichpatenschaft“ der Schule mit einem Arbeitseinsatz der fünften Klasse weiterführen möchten. Ob wir wohl einen Teil der Schwimmpflanzen ans Ufer bugsieren könnten? Die Schülerinnen und Schüler waren von dem Vorschlag sofort angetan. Diesmal durften sie hochoffiziell in den Teich hinein, was bisher zu ihrem Leidwesen immer verboten worden war.
Montag, der 24. September, war der Tag der Wahl, weil dort kaum ein Fachunterricht ausfallen musste. Der aktuelle Zeitpunkt, nämlich kurz vor den ersten kalten Nächten, war ebenfalls günstig, um die vielen Schnecken, Larven und Amphibienarten, die den Teich bevölkern, nicht zu stören. Diese fangen bekanntlich jetzt an, sich für die Winterpause einzurichten. Und so zog eine muntere Schar gut ausgerüstet mit Gummistiefeln und den nötigen Kalorienpaketen im Rucksack los, um die wuchernde Krebsschere in die Schranken zu weisen.
Zahllose Exemplare wurden mit langen Harken ans Ufer gezogen, wanderten in große Plastiksäcke und wurden dem Wald zur Kompostierung übergeben. Dabei pflückten die Kinder, die sich nicht allzu sehr ekelten, ebenso zahlreiche Teichschnecken und Larven von den Blättern und warfen sie zurück ins Wasser. Am Ende hatten einige Kinder vor lauter Eifer nasse Füße trotz ihrer Gummistiefel, aber zum Glück war unser Tag sonnig und spätsommerlich warm. Der Teich zeigte vor unserer Heimkehr wieder einen Teil seines gewohnten glänzenden Gesichts dank einer ansehnlich großen Wasserfläche ohne Krebsscheren. Wenn das Wetter es erlaubt, wollen wir diese nach den Herbstferien noch weiter vergrößern. Vielleicht nehmen wir ja unsere Patenkinder von der ersten Klasse mit. Vielleicht ekeln die sich ja weniger vor Schnecken...

Text und Fotos:
Christoph Riefer