Tag der offenen Tür

Kupfertreiben, Kerzenziehen, Kinderchöre – am Tag der offenen Tür des Waldorfschulvereins Saar-Pfalz e.V. am 17. November 2018 boten Krippe, Kindergarten und die Schule tiefe Einblicke in ihr Alltagsleben.
„Schon in der ersten Klasse häkeln und stricken unsere Schüler und lernen bereits zwei
Fremdsprachen“, erklärte Michael Jung vom Schulkollegium bei der Eröffnung. In der
mittleren Stufe kämen dann Handwerk, Gartenbau und Eurythmie hinzu. In der achten und elften Klasse sind die Schüler stets mit einem Theaterprojekt befasst, das nicht nur auf der Bühne umgesetzt wird, sondern vom Bühnenbild über die Beleuchtung bis zur Herstellung von Kostümen, Plakaten und Programmheften eine umfassende und besondere Herausforderung für alle Beteiligten darstellt. In der Oberstufe schließlich kommen die Schüler über zahlreiche Praktika „mit der Welt in Kontakt“. „Dabei folgt die Waldorfpädagogik den Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung und Entfaltung der Jugendlichen“, so Michael Jung.
Einige sichtbare Ergebnisse dieser Pädagogik konnten die in großer Zahl erschienenen
Interessierten sogleich auf der Bühne sehen. Die vierte Klasse trug das Gedicht „Der fliegende Robert“ aus dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann vor und sang auf Deutsch und auf Englisch, bevor sie mit der fünften Klasse zweistimmig ein Herbstlied anstimmte.
Anschließend rezitierten die Fünftklässler das Theodor-Storm-Gedicht „Herbst“, gefolgt von
einem Flötenstück und einer Märchen-Erzählung nach Rudolf Steiner der sechsten Klasse.
Rockiger-poppiger wurde es bei der achten Klasse, die den inzwischen mehr als zwanzig
Jahre alten Mega-Hit „Wonderwall“ von Oasis zum Besten gab.
Ihr eigenes, ganz besonderes Jubiläum feiert die Waldorfpädagogik im Jahr 2019: Vor 100 Jahren wurde in Stuttgart die erste Waldorfschule gegründet. Heute gibt es rund 250 Waldorfschulen in Deutschland und mehr als 1.000 weltweit. Zu den weiteren Besonderheiten der Waldorfpädagogik zählen das Klassenlehrerprinzip, bei dem der Klassenlehrer die Schüler über viele Jahre begleitet und so für ein stabiles Lernumfeld sorgt, sowie der Epochenunterricht, in dem über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen ein einzelner Stoff intensiv behandelt und so vertieft und verinnerlicht wird. Bei aller Individualität der Pädagogik stehen alle aktuell 375 Schüler der Freien Waldorfschule Saar-Pfalz am Ende ihrer schulischen Entwicklung vor denselben zentralen Abschluss-Prüfungen für Hauptschule, Mittlere Reife und Abitur, wie alle anderen Schüler im Saarland auch, so Michael Jung. Für Begeisterung im Publikum sorgte die erste Klasse mit Ihrer spielerischen Vorstellung der Zahlen 1 bis 10, die sie in ihrer ersten Rechen-Epoche kennengelernt hatten. Die siebte Klasse trug „Der Knabe im Mohr“ von Annette von Droste-Hülshoff vor und sang das Lied „La Terre est si belle“ des französischen Chansoniers Hughes Aufray. Die neunte Klasse rezitierte „Prometheus“ von Johann Wolfgang von Goethe, entstanden in der Sturm-und-Drang-Epoche der deutschen Literatur. Zum krönenden Abschluss der Schulfeier brachte der Kinderchor mit Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Altersstufen mit Ihrer Version des Ohrwurms „Over the rainbow / what a wonderful world“ mitten im Herbst hawaiianisches Feeling auf die Bühne.

Nicht nur die Schule, auch die Krippe und der Kindergarten fanden am Tag der offenen Tür
regen Zulauf. Was viele nicht wissen: Der Kindergarten der Freien Waldorfschule Bexbach
wurde bereits zwei Jahre vor der Schule gegründet – im Jahr 1991. Heute werden in
Krippe und Kindergarten insgesamt 92 Kinder betreut: im Kindergarten in der Ringelblumen-, der Glockenblumen- und der Sonnenblumen-Gruppe mit jeweils 25 Plätzen und in der Krippe in der Schneckenhaus- und Sonnengärtchen-Gruppe – zum Teil mit Betreuung bis zum Nachmittag. Dabei legen die Erzieherinnen Wert
darauf, bei der Gestaltung der Räumlichkeiten und des Tagesablaufes auf die Entwicklungsgesetzmäßigkeiten der Kinder zu achten, so dass sie sich je nach Altersstruktur frei entwickeln und entfalten können. „Wir wollen einen rhythmischen Tagesablauf entwickeln und eine fröhliche Schaffensatmosphäre erzeugen“, sagt Edeltrud Schumacher, Erzieherin der Sonnenblumengruppe.

Seit Herbst 2012 gibt es die Krippe in Bexbach.
„Die Betreuung der unter Dreijährigen ist sehr sensibel“, so Stefanie Metzger von der
Sonnengärtchengruppe. „Wir legen Wert darauf, dass das Kind zu den Erzieherinnen und den Räumlichkeiten Vertrauen findet, um es in dieser Zeit, in der es die ersten Bewegungsentwicklungen, anfängliches Sprechen und Denken erlebt, liebe- und vertrauensvoll zu begleiten.“ 

Quereinstiege sind in allen Klassenstufen möglich, genauso wie Schulaufnahmen im
laufenden Schuljahr. Wer einen tieferen Einblick in die Waldorf-Pädagogik erhalten möchte, ist herzlich eingeladen zu den Informationselternabenden am 14.01.19, 21.01.19, 28.01.19 und 01.02.19, immer montags um 20 Uhr im Eurythmie-Saal des Kleinen Hauses. 

Auf jeden Fall einen Besuch wert ist der Adventsbasar am ersten Advents-Sonntag, dem 02.12.2018, der als einer der schönsten vorweihnachtlichen Märkte im Saarland gilt.  

Daniel Ochs