Hütten- und anderer Zauber

Adventsbasar der Freien Waldorfschule Saar Pfalz in Bexbach

Wenn unterm Pausendach im Akkord Flammkuchen und Zimtwaffeln gebacken werden, im Kindergarten die Puppen zum Leben erwachen (gezeigt wurde diesmal „Frau Holle“), die Turnhalle zum Marktplatz für schöne Dinge avanciert, kleine Zimtzicken und Lausbuben andächtig in der abgedunkelten Holzwerkstatt Bienenwachskerzen ziehen, sich
Schlangen Wartender vor dem Zwergenstübchen bilden und das Treppenhaus des großen Schulhauses gute Chancen bei „Deutschland sucht die schönste Adventsfloristik“ hätte – dann ist Basar-Zeit in der Waldorfschule Bexbach.
Pünktlich sein lohnt sich, das wissen die Stammgäste. Nicht nur der besten Auswahl an den Verkaufsständen wegen. In schöner Regelmäßigkeit droht der Festsaal beim musikalisch-orchestralen Auftakt aus allen Nähten zu platzen. So auch diesmal wieder. Wer doch zu spät kam, sang halt im Flur mit.
„Seht die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt dass Frieden werde“: Mit diesem Kanon, von hunderten großen und kleinen Menschen intoniert, fiel schließlich das Startsignal für den Adventsbasar 2017.

Und dann nahm es wieder unaufgeregt und harmonisch seinen Lauf, dieses mittelgroßes Wunder, das die Elternschaft zusammen mit Lehrern und Schülern ermöglichen – ein Riesenkraftakt. Monatelang wird vorbereitet, den kompletten Samstag geschmückt und dekoriert und am Tag selbst Standdienste geschoben und nach dem letzten Besucher alles wieder aufgeräumt.Dass bei so viel Arbeit die Originalität nicht auf der Strecke bleibt, bewies unter anderem die „Schneebar“. Wer genau hin hörte, konnte ihn rufen hören, den Berg. Offenbar hatte es gerade geschneit. In dem zur rustikalen Almhütte mutierten Klassenzimmer der Oberstufe luden Schlitten mit Fellen und Kissen zum Ausruhen in einer schneeweißen Winterlandschaft ein. Die Skier standen anschnallbereit an der Hüttenwand. Wäre da nicht der Duft nach Punsch und frischgebackenen Waffeln gewesen, wer weiß ...

„Ich bin jeden Advent hier, zehn Jahre sind es bestimmt schon“, erzählte Christiane Siegel, die in der Mittagszeit Platz genommen hatte. „Meist ist so schönes Schneewetter wie heute.“ Eine Freundin von ihr verkauft Gefilztes im Saal. Sie selbst findet immer etwas, das ihr gefällt: diesmal handgeschöpfte Seife, eine Weihnachtsmaus und zwei Wichtel. „Da ist man nie zu alt für.“ Besonders gut gefällt Christiane Siegel die Atmosphäre in den beiden Schulhäusern. Aber, verrät sie zwinkernd, den Besuch lohnt schon allein das Salatbuffet, wo es neben den Klassikern auch ausgefallene Varianten aus Schweden, Persien oder Russland gibt. Viele ihrer Bekannten kennen inzwischen den Bexbacher Waldorf-Basar, bei allen anderen rührt die Frankenholzerin die Werbetrommel. „Ich wäre früher auch gern an so einer Schule gewesen“, meint sie nach einer kleinen Pause des Nachdenkens. Eine, wo handwerklich viel gemacht wird, gestrickt und gehäkelt, geschreinert und geschnitzt, getöpfert und genäht. „Deshalb komme ich vielleicht so gerne hierher.“