Geisteswissenschaften
Geisteswissenschaften an unserer Schule
Deutsch
Fremdsprachen (Englisch, Französisch)
Wie für alle anderen Fächer, so gilt auch für die Fremdsprachen die Stundentafel und der Lehrplan der Waldorfschulen in verschiedenen, im Laufe der Jahre aktualisierten Fassungen. Wichtige Eckpunkte sind dabei unter anderem der Unterricht von zwei Fremdsprachen ab der ersten Klasse und ein lebendiges Lernen, um in die Sprachen einzutauchen und den jeweils spezifischen Geist der „fremden“ Sprachen zu erfahren.
An diesem Lehrauftrag entzündeten sich über viele Jahre immer wieder Diskussionen um die richtige Methode, vor allem in der Mittelstufe. Soll beispielsweise ein Lehrwerk eingesetzt werden oder nicht? Letztendlich hat die Praxis gezeigt, dass andere Parameter wichtiger sind, nämlich ob es den Lehrerinnen und Lehrern gelingt, mittels ihrer Begeisterung für die Sprache, ihrem persönlichen Stil und dem Ablesen der Bedürfnisse der Klassen, der Schülerinnen und Schüler, die Sprache so zu unterrichten, dass alle mitgenommen werden und sich die Sprache nach und nach als ein weiteres Kommunikationsmittel aneignen können.
An unserer Schule wurden immer Englisch und Französisch unterrichtet, möglichst parallel ab der ersten Klasse, es gab also nie eine „erste“ und eine „zweite“ Fremdsprache. Viele Kolleginnen und Kollegen unterrichteten in den letzten 50 Jahren mit Engagement, unterschiedlichsten Temperamenten und Methoden, mit Erfolg, zuweilen auch mit Schwierigkeiten und großen Problemen. Einfach war es wohl nie, aber im Gegensatz zu den Staatsschulen verfügen wir über viele Freiheiten, wie etwa der schon erwähnte Einsatz von Lehrwerken und altersgemäß stimmigen Lektüren aus Waldorfverlagen; wir sind nicht gezwungen, pro Halbjahr eine bestimmte Anzahl von Leistungsnachweisen zu fordern. Diese Freiheit beinhaltet ein großes Potential an pädagogischer Kreativität, die sinnvoll eingesetzt werden will. Denn auch an der Waldorfschule ist das Ziel des Fremdsprachenunterrichts natürlich der souveräne Umgang mit der fremden Sprache zum Zweck der Kommunikation, der Erfahrung der anderen Kultur und der seelischen Weiterentwicklung.
Im Folgenden werde ich primär auf den Französischunterricht eingehen.
In der Mittelstufe gilt es, einen systematischen Grammatikaufbau und den Grundwortschatz zu unterrichten; für die französische Sprache bedeutet das vor allem ein fleißiges Lernen der Zeiten und unregelmäßigen Verben, natürlich immer in Verbindung mit altersgemäßen Themen und Lektüren, vielfältigsten Methoden mit Schwerpunkten auf dem Sprechen, um auch emotional weiter in die Sprache einzutauchen. Gerade das Französische fällt vielen Jugendlichen anscheinend schwerer als das Englische, das ja in unser aller Alltag sehr präsent ist. Trotzdem war es immer ein großes Anliegen aller Französischlehrer/innen, den Schüler/innen den besonderen Klang, die Schönheit und Eleganz der Sprache, die Kultur Frankreichs näherzubringen. Schließlich leben wir im Saarland in unmittelbarer Nähe Frankreichs und unsere beiden Länder verbindet eine lange, wenn auch früher sehr belastete Beziehung.
Eine gute Möglichkeit des Kennenlernens war in vielen Jahren die Teilnahme am Robert-Schumann-Programm, das es Schüler/innen in der Region Saarland, Lothringen, Luxemburg und Belgien ermöglichte, zwei Wochen im Nachbarland in einer Familie zu verbringen. Der Partnerschaftsverein Bexbach-Pornichet bemüht sich darum, wieder - wie bereits vor vielen Jahren - einen Schüleraustausch zu organisieren. Solche Begegnungen können den Fremdsprachenerwerb in bedeutender Weise unterstützen. Alle, die daran teilgenommen haben, schätzen diese Erfahrung und machen anschließend große Fortschritte in der Sprachbeherrschung.
In der Oberstufe unterrichten wir in den Klassen 12 und 13 in Französisch den staatlichen Lehrplan der vier Halbjahre des Abiturprogramms, in der Regel auf Grundkursniveau, aber häufig haben auch Schüler/innen mit dem Leistungskurs am Abitur teilgenommen. Jetzt in der Oberstufe zeigt es sich, wie gut und systematisch in der Mittelstufe gelernt wurde. Nur mit einem sicheren Grammatik- und Wortschatzfundament ist man in der Lage, die Themen und literarischen Werke zu erfassen und sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Viele unserer Schüler/innen haben sich diese Kompetenzen im Laufe ihrer Schulzeit angeeignet und zeigen diese in souveräner Weise auch in den staatlichen Prüfungen.
Ich wünsche unserer Schule für die nächsten Jahre eine erfolgreiche Fortführung des Fremdsprachenunterrichts, dass neue Kolleginnen und Kollegen für den Unterricht gewonnen werden können und noch viele Schülergenerationen sich für die Fremdsprachen begeistern!
Katharina Sander
Geschichte
Ethik
Religion
Bildende Kunst (BK)
Musik
Klassenspiele
Immer wieder Theater - Seine Rolle finden
Eine weitere Kunst begleitet die Waldorfschulzeit in besonderer Weise: das Schauspiel. In den ersten Jahren sind es kleine szenische Spiele, die gemeinsam in der Klasse eingeübt und dann u. a. auf Schulfeiern dargeboten werden. Mit der Zeit entwickeln sich komplexere Aufführungen wie z.B. die Geschichte von der Maus Frederick, das Sankt Martinsspiel der 3. Klasse oder das Johannni-Spiel der 4. Klasse. Der Großteil dieser Auftritte wird chorisch gemeinsam gesprochen und gesungen, jedoch finden sich bereits Einzelrollen in den Stücken, für die es viel Mut und Kraft braucht, um sie auszufüllen. Musikalische Elemente fügen sich hinzu und werden ergänzt durch Bewegung und Kostüme. Es ist berührend, mit welchem Eifer sich die Kinder in die verschiedenen Rollen hineinarbeiten und -wachsen und dabei Gefallen daran finden wahrgenommen zu werden.
Zum Abschluss der Klassenlehrerzeit in der 8. Klasse und am Ende der Waldorfschulzeit in der 12. Klasse wird an großen Theaterprojekten gearbeitet, welche gleichzeitig Aufforderung und Gelegenheit sind, seine Rolle auf dem Weg der Persönlichkeitsreifung zu finden und unter Beweis zu stellen. Es ist eine große Herausforderung, die verschiedenen Schritte zu bewältigen: die Stückauswahl, die Rollenverteilung, die mit großem Aufwand verbundene Probenarbeit über mehrere Wochen hinweg, die Gestaltung des Bühnenbildes, die Auswahl der Kostüme und Requisiten, die Organisation von Beleuchtung und Bühnentechnik, die Erstellung des Plakates und Einladung von Gästen bis hin zur Aufführung. Unterstützt werden die Klassen von erfahrenen Theaterpädagogen, zuletzt auch häufig in Form ehemaliger Schüler*innen, die ihren Berufsweg in der Schauspielerei gefunden haben. Zudem begleiten die Klassen- oder Betreuungslehrer*innen das Klassenspiel mit Rat und Tat, während Fachlehrkräfte aus dem praktisch-künstlerischen Bereich gemeinsam mit den Schüler*innen das Bühnenbild erarbeiten, die Kostüme entwerfen und schneidern und die Maske vorbereiten. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt.
Für den Einzelnen bedeutet dies, die gewählte oder zugeteilte Rolle zu übernehmen und mit Leben zu erfüllen und dabei auch ganz neue Erfahrungen untereinander zu machen sowie neue Seiten an sich selbst zu entdecken. Entscheidend ist aber nicht die Einzelleistung, sondern das Zusammenspiel als Klasse, denn nur gemeinsam wird es ein Erfolg. In gewisser Weise bedeutet das Klassenspiel eine Art Vorbereitung auf dem Weg, die eigene Rolle im Leben zu finden.
„So sind solche Aufführungen immer wieder ein besonderes Fest, nicht nur für die Klassengemeinschaft, sondern darüber hinaus für den gesamten Schulorganismus, der andere Klassen mit ihren Lehrern, sowie Eltern, Verwandte und Freunde mit einschließt.
Eine solche Gemeinschaftsleistung einer Klasse wie auch einzelne Leistungen ihrer Schüler werden gewürdigt und viele Schüler, die man bisher nur im privaten Umgang gekannt hat, erscheinen auf der Bühne in einem ganz neuen Licht.
Da die Aufführungen außerdem in die Öffentlichkeit gestellt werden, haben sie zugleich eine Wirkung, die weit über den Schulorganismus hinausreicht und das kulturelle Leben der Schule und ihrer Region bereichert.“ (Astrid Moos-Lange, „Das Schauspiel an der Waldorfschule und seine Bedeutung für die Entwicklung des jungen Menschen“, 2006)
Joachim Karsten
