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Praktisch - Künstlerischer Unterricht (PKU)

Praktisch - Künstlerischer Unterricht (PKU)

Wie geben wir den Kindern und Jugendlichen ein Rüstzeug, mit dem sie ihr eigenes Leben gestalten können? Durch die Begegnung mit den verschiedensten Materialien sowie den Aufgabenstellungen, aus eben diesen immer wieder Anderes, Neues herzustellen. Um dies gelingen zu lassen, sind jeweils besondere Fertigkeiten, Werkzeuge und Arbeitstechniken nötig. Gelernt wird, immer wieder neu, sich auf die Eigenart der Materialien einzulassen, ein Gefühl für die Besonderheiten zu entwickeln und zunehmend gezielt zu gestalten bzw. daran und damit zu arbeiten. 

Kleine Kinder tragen diesen Impuls auf natürliche Weise in sich, spielerisch und fantasievoll. Mit zunehmendem Alter ist jedoch eine bewusste Steuerung notwendig, die Kontrolle der eigenen Tätigkeit, eine Korrektur bis zum Erreichen eines geplanten Zieles - verbunden mit der Entdeckung neuer Möglichkeiten. Das führt hin bis zu handwerklich sehr anspruchsvollen Arbeiten, welche in den Unterrichten der 9. Klasse im Schneidern oder Tischlern entstehen, während Keramik in der 10. Klasse fester Bestandteil ist und Kartonage/Buchbinden in der 11. Klasse zum Lehrplan zählt.

Zudem wird in der 9. Klasse das Handwerkspraktikum absolviert, welches ebenfalls der Erprobung der eigenen Möglichkeiten und Fertigkeiten dient. Hier gilt es, sich an den Forderungen der realen Arbeitswelt zu messen.

Die Realisierung eines eigenen Projektes für die Jahresarbeit in der 12. Klasse stellt eine weitere Herausforderung dar: Die Themenwahl ist frei, der Weg ist das Ziel, die Herangehensweise und Umsetzung liegt allein in der Hand des jeweiligen Schülers und der jeweiligen Schülerin. Und so entsteht unter anderem eine mobile Goldschmiedewerkstatt auf einem Anhängertrailer, es wird eine neue Soundanlage für den Festsaal geplant und realisiert inkl. dem Bau eines neuen Steuerungspultes für die Bühnentechnik oder eine große Plastik aus Sandstein wird gestaltet. Dies zeigt lediglich einen Bruchteil der Ideen und Ergebnisse der Zwölftklässler auf.

Handarbeit wird bereits ab der 1. Klasse unterrichtet und zieht sich sozusagen als roter Faden bis zum Schneidern in der Oberstufe durch.

Die gestalterische Arbeit mit Holz beginnt in der 5. Klasse, zudem wird auch mit Ton gearbeitet und es setzt der Gartenbauunterricht ein.

In der Mittelstufe liegt der Schwerpunkt überwiegend auf dem Kunsthandwerk; die handwerkliche Anforderung ist nun eng verbunden mit der ästhetischen Gestaltung.

In der Oberstufe steht dann die handwerklich saubere Ausführung im Vordergrund, z.B. bei der Gestaltung großer Keramiken in der 10. Klasse, und führt zur 12. Klasse hin immer mehr auch zu individuellen Projekten, im Plastischen z.B. zu freien Kompositionen.

Bereits in der Unterstufe gibt es Phasen intensiver praktischer Tätigkeit, z.B. in der Handwerkerepoche der 3. Klasse, in welcher u.a. getöpfert, geschmiedet und getischlert wird.

In der Hausbauepoche werden eigene, kleine Häuser gebaut und - wenn möglich - ein größeres, gemeinsames Bauprojekt auf dem Schulgelände realisiert.

Die 5. Klasse führt eine Reinigungsaktion des Gänseweihers durch im Rahmen der Teichpatenschaft, die wir als UNESCO-Projektschule für dieses besondere Biotop im schulnahen Bauernwald übernommen haben.

Ebenfalls im Rahmen des praktischen Bereiches erbaute die 12. Klasse im Sommer 2024 während der Projektfahrt nach Griechenland einen 80m langen Zaun in einem Naturschutzgebiet.

In jedem Fall steht neben der Vermittlung Intellektueller Fähigkeiten die Entwicklung von Fertigkeiten zur Gestaltung und Umgestaltung der verschiedensten Materialien. Gerade bei der zunehmenden Digitalisierung des Alltags gewinnen Grunderfahrungen auf diesem Gebiet zunehmend an Wichtigkeit in Bezug auf die Begegnung und Auseinandersetzung mit der Realität.

Es geht um die Entwicklung motorischer Geschicklichkeit, einem Gefühl für Ästhetik und der Willensschulung, dem gezielten Einsatz von Kraft und Ausdauer, bis ein Ziel erreicht ist.

 

Joachim Karsten

PKU-Fächer an unserer Waldorfschule

Buchbinden - Kartonage

Gartenbau

Gartenbau findet bei uns ab dem zweiten Halbjahr der fünften Klasse bis einschließlich des ersten Halbjahres der achten Klasse statt. Drei Jahre lang begleiten die SchülerInnen den Garten und der Garten die SchülerInnen, im Rhythmus der Jahreszeiten, der auf natürliche Weise Abwechslung und Veränderung mit sich bringt. Im Frühjahr werden Jungpflanzen angezogen, die Beete vorbereitet, es wird gepflanzt, gesät, gejätet, gegossen, anschließend geerntet und verarbeitet. Die allseits beliebtesten Gartenbau-Aktivitäten finden im Herbst-/Winterhalbjahr statt: Ernten, Kochen, Apfelsaftpressen und Kerzenziehen. Es werden Adventskränze gebunden, auf denen das Licht der selbstgezogenen Bienenwachskerzen dann strahlen darf.

Der Einstieg zu Beginn der Gartensaison in der fünften Klasse ist mit kurzweiligen und abwechslungsreichen Tätigkeiten gefüllt: dem Kennenlernen von Garten und Gartengeräten, schnell wachsendem Gemüse und viel Probieren und Schmecken.

In der sechsten Klasse arbeiten wir an Gemeinschaftsbeeten und verantwortlicheren Aufgaben, wie zum Beispiel dem Kartoffelanbau und vor allem der Jungpflanzenanzucht. Hier wird den Kindern deutlich mehr Ausdauer und Genauigkeit verlangt, gerade wenn entwicklungsbedingt ein inneres Chaos und eine innere Veränderung einsetzen.

Im dritten Jahr Gartenbau hat jeder sein eigenes kleines Beet, zwei auf einen Meter. Nach eigenen Vorlieben dürfen drei bis sechs verschiedene Gemüsekulturen angebaut werden. Das Jäten ist natürlich besonders unbeliebt, wenn in dieser Lebensphase die Schwerkraft so stark wirkt. Aber das Chaos auf dem Beet zu beseitigen hilft manchmal auch, um es im Inneren zu bändigen.

Der Garten selbst ist der Lehrmeister. Er fordert ein und zeigt Zusammenhänge auf, braucht Durchhaltevermögen und Kontinuität. Wenn die Vorbereitung der Beete, das Pflanzen, Säen und Jäten die große Unlust hervorrufen, hilft die Aussicht auf das Kochen und Genießen der Ernte, das ohne die vorangegangenen Arbeiten gar nicht stattfinden kann.

Es ist eine Freude, wenn SchülerInnen durch den Unterricht zum Handeln angeregt werden oder für ihr Leben inspiriert werden, egal ob durch eine schöne Blume, die sie berührt, oder durch ein Rezept, das wir gemeinsam kochen, egal ob jetzt oder in zehn Jahren. Etwas anhand von Erlebnissen zu lernen, prägt sich anders ein als nur mit dem Kopf zu lernen. Das Wichtigste ist, dass wir immer wieder erfahren, wie selbstwirksam wir sind, nicht machtlos, in unserer Umgebung und in der Welt - und dass wir das Antlitz der Erde verändern können, mit dem, was wir tun.

Und wenn eine Achtklässlerin folgenden Zusammenhang versteht, hat der Gartenbau-Unterricht seine Arbeit getan:

„Ich nehme aus dem Unterricht mit, dass man sich um seine Pflanzen kümmern muss wie um andere Menschen, also ich muss auf meine Mitmenschen achten und mich um sie kümmern wie um meine Freunde.“

 

Kathrin Hessdorfer

Gartenbaulehrerin

Handarbeit (Stricken, Häkeln, Nähen)

Handarbeit beginnt in Klasse 1 mit dem Stricken lernen und endet in der Oberstufe mit dem Nähen eines eigenen Kleidungsstücks. Die Schülerinnen und Schüler lernen in dieser Zeit Stricken, Häkeln, Nähen, Sticken, Flechten, Spinnen und weitere Handarbeitstechniken. Sie zeichnen Entwürfe und üben und entwickeln bei all diesen Tätigkeiten ihr Farbempfinden sowie ihre Gestaltungskräfte. Daneben wirkt sich das feinmotorische Arbeiten positiv auf die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn aus. Neue Aufgaben werden mit großem Engagement begonnen. Das kontinuierliche Durchhalten bis zur Fertigstellung des Werkstücks stellt dabei die größere Herausforderung dar als das eigentliche Erlernen der jeweils neuen Arbeitstechnik. Wie groß sind am Ende Freude und Stolz über das selbst hergestellte Werk und dass es entweder selbst oder von anderen im Alltag genutzt wird!

 

Carola Schellong

Kerzenziehen

Keramik

Korbflechten

Malerei

Metallarbeiten

   Schmieden

   Kupfertreiben

Plastizieren

Schneidern

Steinmetzen

Tischlern

Werken

Zeichnen - Drucken